Bettina Kattermann (1961-2012)

*Bettina Kattermann war eine in vielfachen Auslandseinsätzen engagierte Ärztin für Innere Medizin. Das Stipendium für Medizinstudent*innen aus Myanmar wurde eingerichtet, um ihr humanitäres Anliegen einer Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen in Asien weiterzuführen.

Meine Schwester war als Jugendliche leidenschaftliche Musikerin, entschied sich nach dem Abitur aber für ein Medizinstudium. Während des Studiums entdeckte sie ihre Faszination für ferne Länder und bereiste in den folgenden Jahrzehnten u.a. Indien, China, Russland und Lateinamerika in z.T. mehrmonatigen Reisen. Ihr Engagement als Ärztin im Ausland nach Abschluss der Facharztausbildung war vor diesem Hintergrund nur eine logische Folge ihrer Leidenschaft für das Reisen. Auslandseinsätze als Ärztin – teilweise für Ärzte ohne Grenzen, teilweise für freie Vermittlungsdienste – führten sie u.a. nach Myanmar (Sittwe), in die Ukraine (Kiev), in die DR Kongo (Kabalo), nach China (Shenyang), in den Jemen (Sana‘a) und in die Karibik (Turks- und Caicosinseln).

Bettina hatte eine große Leidenschaft und Begabung für Fremdsprachen. Meist gelang es ihr, sich Sprachkenntnisse soweit anzueignen, dass sie direkt mit ihren Patient*innen sprechen konnte. In vielen Dingen zeigte sich meine Schwester sehr ernsthaft hingegeben an das, was sie unternahm. Sie selbst kannte tiefen Schmerz und Leid aus eigener Erfahrung und konnte so die Not ihrer Patient*innen sehr ernstnehmen. Sie arbeitete gern im Team und wurde für ihre unprätentiöse und kooperative Art geschätzt. Gern zeigte sie auch ihren trockenen und ironischen Humor.

Besonders beglückend war für sie die Tätigkeit für Ärzte ohne Grenzen in Sittwe (Myanmar) von 1998 bis 2001. Hier organisierte sie die Malariaprävention und –kontrolle. Die Feldforschungsreisen, die auch die Verteilung von Moskitonetzen beinhaltete, unternahm sie in entlegene Dörfer z.T. auch per Boot auf dem Flusswegenetz. Derartige Abenteuer lagen ihr sehr.

Meine Schwester schätzte die sanfte und höfliche Art der Asiaten – etwas, das ihrem zurückhaltenden, bescheidenen und klugen Wesen sehr entsprach. Zugleich beobachtete sie kritisch die politische Situation in Myanmar und war besorgt angesichts der beginnenden interreligiösen Spannungen und der Verfolgung der Rohingya in Sittwe. Selbst nicht gläubig, hatte sie doch einen hohen Respekt vor den spirituellen Wurzeln anderer.
Bettina zeigte sich oftmals irritiert über die enorme Kluft zwischen der hochentwickelten medizinischen Versorgung in Deutschland und den kargen Arbeitsbedingungen in Myanmar. Ihr Erbe für die Förderung von Medizin-Student*innen aus Myanmar einzusetzen, ist gewiß in ihrem Sinne.

Vera Kattermann

“Ich möchte durch mein medizinisches Wissen nicht nur die Gesundheitsversorgung für die Menschen meines Landes fördern, sondern mich auch für kranke Menschen in der ganzen Welt einsetzen.“

Dr. Poe Poe

Stipendiatin 2015/16

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